Montessori Landesverband Thüringen

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Maria Montessori

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Kindheit & Jugend

Maria Montessori wurde am 31. August 1870, im Jahr der staatlichen Einigung Italiens, in Chiaravalle in der Provinz Ancona geboren.
Als Maria drei Jahre alt war, zog die Familie nach Florenz, zwei Jahre später nach Rom, wo die Eltern bis zu ihrem Tod lebten.
Über die Kindheit Maria Montessoris gibt es kaum Informationen, Es existieren aber einige Aufzeichnungen anekdotischer Art, unter anderem von E. Mortimer Standing:
"Jeden Tag musste Maria eine Weile für die Armen stricken, was aber vermutlich gar nicht als besondere Heimsuchung von ihr empfunden wurde, denn sie ließ schon als Kind Interesse für Menschen erkennen, denen es schlechter ging als ihr selbst. (E. M. Standing, "Maria Montessori. Leben und Werk", 2009, S. 10)
Montessori schloss die Grundschulzeit mit hervorragenden Zeugnissen ab. (vgl. H. Heiland, "Maria Montessori", 2010, S. 14ff, I. Waldschmidt, "Maria Montessori - Leben und Werk", 2006, S. 12ff).
Der damals übliche Bildungsweg für Mädchen wohlhabender Familien war der Besuch eines Gymnasiums, der meist die Ausübung eines Lehrerberufes zur Folge hatte. Maria Montessori, die in den letzten Jahren ihrer Grundschulzeit ihr Interesse für Mathematik entdeckte, äußerte den Wunsch, eine naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule zu besuchen. Sie lernte in den folgenden sieben Jahren für die damalige Zeit vergleichsweise moderne Inhalte, wie verschiedene Sprachen und naturwissenschaftliche Fächer.

Von der Medizin zur Pädagogik

Der Berufswunsch, den Montessori gegen Ende ihrer Schulzeit formulierte, stieß in ihrer Umgebung und besonders bei ihrem Vater auf Unverständnis: sie wollte Medizin studieren, um Ärztin zu werden, ein Beruf, der in Italien bis dahin nur Männern vorenthalten war.
Von den ausschließlich männlichen Kommilitonen und Lehrern wurde sie zunächst nur widerwillig akzeptiert und gesonderte Regelungen für sie als weibliche Studentin, wie die Vorgabe, erst den Hörsaal betreten zu dürfen, wenn alle ihre Plätze eingenommen hatten, isolierten sie zusätzlich. Im Laufe der Jahre erwarb sie allerdings zunehmend Anerkennung durch ihre Leistungen.
"Als erste Frau unter den Studenten wäre sie auf alle Fälle aufgefallen, aber im Lauf der Jahre machte sie allmählich durch die Qualität ihrer Arbeit und das Ausmaß ihres Interesses und ihrer Initiative auf sich aufmerksam." (R. Kramer, "Maria Montessori, Leben und Werk einer großen Frau", 1995, S. 47)
"Sie war eine gute Studentin, intelligenter und mehr am Lernen interessiert, als viele der jungen Herren, die an der Universität um eines akademischen Grades willen waren, den sie niemals zu benützen gedachten. Sie waren am Prestige eines akademischen Doktorgrades interessiert; sie interessierte sich für die Praxis der Medizin." (ebd., S. 48)
1894 gewann Montessori für ihre hervorragenden Arbeiten in der Pathologie ein Stipendium und im folgenden Jahr einen Wettbewerb um eine vorzeitige Assistentenstelle im Krankenhaus. In den letzten Jahren vor ihrer Promotion ließ sich Montessori als Expertin für Kinderkrankheiten ausbilden und sammelte in der psychiatrischen Klinik Material für ihre Doktorarbeit, die sie unter dem Titel "Ein klinischer Beitrag zum Studium des Verfolgungswahns" 1896 vorlegte. Damit erwarb sie als erste Frau Italiens das Promotionsdiplom und die Presse Roms berichtete über die junge Ärztin (vgl. H. Heiland, "Maria Montessori", 2010, S. 23f).

Wenige Monate nach ihrer medizinischen Abschlussprüfung reiste Montessori, als Delegierte zum internationalen Frauenkongress nach Berlin.

Die Jahre von 1896 bis 1906 sind für Maria Montessori eine wohl entscheidende Zeitspanne gewesen. In dieser Lebensphase vollzieht sie den Übergang von der Medizin zur Pädagogik. […] Eine Art Vermittlung oder ,Brücke´ zwischen beiden Bereichen bietet das behinderte Kind, dem sich ja sowohl die Medizin wie auch die Pädagogik zuwenden." (H. Heiland, "Maria Montessori", 2010, S. 27).
1897 übernahm Montessori die Assistenzstelle an der Psychiatrischen Klinik der Universität Rom. Im Rahmen dieser Tätigkeit besuchte sie Irrenanstalten , um Kinder für die Behandlung auszuwählen.
Aufgrund der dort vorherrschenden Bedingungen für die Kinder begann sie sich den Erziehungswissenschaften zuzuwenden.
"Im Gegensatz zu meinen Kollegen hatte ich jedoch die Eingebung, dass das Problem der geistig Zurückgebliebenen eher überwiegend ein pädagogisches, als überwiegend ein medizinisches war; während auf medizinischen Kongressen viele von der medizinisch-pädagogischen Methode zur Behandlung und Erziehung schwachsinniger Kinder sprachen, nahm ich auf dem Turiner Kongress 1898 die moralische Erziehung zum Thema. Ich glaube, dass ich dabei eine stark schwingende Saite berührte, da der Gedanke, der von den Medizinern zu den Grundschullehrern übersprang, sich im Nu als eine die Schule interessierende lebendige Frage verbreitete." (M. Montessori, "Die Entdeckung des Kindes", 2012, S. 29)
Maria Montessori wurde Mitglied der neu gegründeten Liga zur Erziehung behinderter Kinder. 1899 erhielt sie eine Dozentur am Lehrerinnen-Ausbildungsinstitut in Rom - die Scuola Magistrale Ortofrenica (vgl. H. Heiland, "Maria Montessori", 2010, S. 34f)
1901 verließ Montessori das Ausbildungsinstitut und begann ein Studium der Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie.
Von 1904 bis 1908 hielt Montessori selbst Vorlesungen am Pädagogischen Institut in Rom für Anthropologie und Biologie, die 1910 in einem Buch "Antropologia pedagogica" abgedruckt wurden (vgl. R. Kramer, "Maria Montessori, Leben und Werk einer großen Frau", 1995, S. 120).

Am 31. März 1898 wurde Montessoris Sohn Mario Montessori geboren. Er ist das Kind einer Beziehung zu Dr. Guiseppe Montesano, mit dem sie seit 1897 zusammenarbeitete.

Das Kinderhaus - "Casa dei bambini"

In San Lorenzo eröffnete Montessori am 6. Januar 1907 das erste Casa dei bambini zur Betreuung tagsüber unbeaufsichtigter Kinder, die noch nicht das Schulalter erreicht hatten, (vgl. M. Montessori, "Die Entdeckung des Kindes", 2012, S. 42ff). Rückblickend schreibt sie:
"Die soziale und pädagogische Bedeutung einer solchen Einrichtung wurde mir in ihrem ganzen Umfang bewusst, und ich ließ mich nicht davon abbringen, dass sie einer triumphalen Zukunft entgegenging, was damals eine übertriebene Vision zu sein schien. Heute beginnen viele zu erkennen, dass ich die Wahrheit voraussah." (ebd., S. 44)
Eine wesentliche Entdeckung dabei war die tiefe Konzentration, die sie bei Kindern beobachtete, die in ihrer Tätigkeit frei gelassen wurden, und das allmähliche Herausbilden sozialer Eigenschaften in der anfangs noch ungeordneten Kindergruppe.

Die Pädagogin entwickelte Materialien zum Schriftspracherwerb, mit denen vier- und fünfjährige Kinder in kurzer Zeit Schreiben und Lesen lernten. Der Erfolg des Casa dei bambini sprach sich herum und es folgte die Gründung weiterer Kinderhäuser.
"Wegen dieses Anziehungspunktes wurde das Viertel San Lorenzo von Monarchen, Ministern, Wissenschaftlern, Aristokraten aufgesucht, die alle diese prächtigen Kinder aus der Nähe sehen wollten. Von diesem Zentrum aus verbreiteten sich die ,Kinderhäuser´ in der ganzen Welt." (M. Montessori, "Die Entdeckung des Kindes", 2012, S. 48)

Verbreitung der Pädagogik

Im Sommer 1909 hielt Montessori ihren ersten Ausbildungskurs in Città di Castello, an dem bereits Pädagogen aus verschiedenen Ländern teilnahmen (vgl. M. Montessori, "Die Entdeckung des Kindes", 2012, S. 49). Anschließend verfasste sie innerhalb eines Monats ihr erstes Werk "Il metodo della pedagogica scientifica" (heute im Deutschen: "Die Entdeckung des Kindes"), in dem sie über das methodische Experimentalprogramm im Casa dei bambini berichtet. Das Buch, das in den folgenden Jahren in über 20 Sprachen übersetzt wurde, machte Montessori über die Landesgrenzen hinaus, besonders in den USA, bekannt (vgl. H. Heiland, "Maria Montessori", 2010, S. 67).
Sie führte weitere, auch erste internationale, Ausbildungskurse durch Es wurden in verschiedenen Ländern der Welt, darunter England, den USA, China und Russland, erste Kinderhäuser gegründet.
Im Rahmen mehrmonatiger USA-Reisen 1913 und 1915 hielt Montessori Vorträge, gab Interviews und veranstaltete bei ihrem zweiten Besuch einen weiteren internationalen Ausbil-dungskurs.

Selbst während des ersten Weltkrieges kam die Ausbreitung Montessoris Pädagogik nicht zum Stillstand. Ein großes Interesse und politische Unterstützung zeigte das katalanische Spanien. Montessori siedelte 1916 nach Barcelona über, wo sie eine Modellschule und ein Ausbildungsinstitut gründete und dort die nächsten 20 Jahre mit ihrem Sohn Mario und dessen Familie ihren Hauptwohnsitz hatte.

Mussolini, leistete finanzielle Unterstützung und ermöglichte die Einführung der Methode in italienische Schulen.
Als 1934 die italienische Regierung faschistische Elemente, wie zum Beispiel das Tragen von Schuluniformen, in den Schulen durchsetzen wollte, kam es zum Bruch der pädagogisch-politischen Zusammenarbeit. Montessori verließ Italien. In einem Interview 1947 sagte sie:
"Sie haben meine Schulen abgeschafft, weil sie auf einer internationalen Idee beruhten, und weil ich mich weigerte, Krieg zu lehren." (M. Montessori 1947 in R. Kramer, "Maria Montessori, Leben und Werk einer großen Frau", 1995, S. 419)
Auch in Deutschland wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten alle Montessori-Schulen geschlossen und ihre Werke öffentlich verbrannt (R. Kramer, "Maria Montessori, Leben und Werk einer großen Frau", 1995, S. 383).
Montessori leitete während dieser Zeit internationale Montessori-Kongresse und gründete mit ihrem Sohn Mario eine Dachorganisation, die Association Montessori Internationale (AMI), mit Sitz in Berlin und seit 1935 in Amsterdam.

Montessori in Indien

Als 1936 der spanische Bürgerkrieg ausbricht verlässt Montessori mit ihrer Familie Barcelona. Nach Aufenthalten in England und Amsterdam folgt die 69-Jährige mit ihrem Sohn 1939 einer Einladung nach Indien. Dort begegnete ihr ein großes Interesse für die Reform von Erziehung und Bildung. Nach einem Ausbioldungskurs mit mehreren 100 Teilnehmern folgten Ausbildungskurse in verschiedenen indischen Städten. Hier entwickelt sie auch Ihre Ideen zur kosmischen Erziehung.

Die späten Jahre

1946 kehrte Montessori nach Europa zurück. Sie begann ihre Arbeit mit einem Ausbildungskurs in England unter Einbeziehung ihrer Erfahrungen in Indien. Auch die folgenden Jahre waren geprägt von Vortragsreisen und Ausbildungskursen in Europa und zwischenzeitlich wieder in Indien. Mario Montessori berichtete, dass seine Mutter noch am Tage ihres Todes eine Reise nach Afrika erwog, weil ein Vertreter aus Ghana sie für die Umsetzung ihrer Pädagogik in seinem Land um Hilfe bat.

Maria Montessori starb am 6. Mai 1952 in Noordwijk aan Zee in den Niederlanden. Auf ihren Wunsch hin wurde sie auf dem dortigen Friedhof beigesetzt (H. Heiland, "Maria Montessori", 2010, S. 108ff). Auf ihrem Grabstein steht:
"Ich bitte die lieben Kinder, die alles können, mit mir zusammen für den Aufbau des Friedens zwischen den Menschen und in der Welt zu arbeiten." (zit. n. ebd., S. 128)